Fotografieren in der Kirche – ein Denkanstoß

Dazu ein Artikel von Reinhard Mawick, in: Gemeindebrief – Magazin für Öffentlichkeitsarbeit:

„Das Paar ist aufgebracht: Was? Warum denn das nicht? Ein Wort gibt das andere, schließlich sagt die Braut erbost: Wir suchen uns eine andere Kirche. Der Wunsch während des Gottesdienstes aus nächster Nähe zu fotografieren, sorgt immer wieder zu Debatten und Misstöne im Gemeindealltag. Viele Menschen möchten ihre Gottesdienste im Bild oder Film festhalten, um sich später besser daran zu erinnern. Bei Taufe, Trauungen und Konfirmationen gibt es schließlich eine Menge zu sehen. Es sind bewusste Akte des Sichtbar-Machens. Gesten wie das Niederknien, das Segnen oder das Händefalten sind Zeichen, deren Sinn sich nur durch das Sehen erschließt. Aber genau da liegt der Unterschied zwischen Realität und Fotografie: In einem Gottesdienst geht es um das intuitive, direkte, religiöse Erlebnis im Rahmen einer Gemeinde. Die Vorbehalte vieler Pastoren gegen das Fotografieren rühren daher, dass das Entscheidende nicht auf das Bild gebannt werden kann. Gottesdienste und vor allem Amtshandlungen bekommen ihren Sinn nur durch das innere Geschehen in der versammelten Gemeinde.

Zwar gibt es für die evangelische Kirche, anders für die katholische, keine heiligen Räume, keine geweihten Zonen, in denen das Fotografieren deshalb grundsätzlich infrage steht. Doch allgemein gilt für beide Konfessionen das Wort des kleinen Prinzen aus Antoine de Saint-Exupérys Buch: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Viele Kirchengemeinden bitten deshalb darum, während des Gottesdienstes aufs Fotografieren zu verzichten. So rät zum Beispiel eine bayerische Kirchengemeinde auf ihrer Website: „Versuchen Sie, so viel wie möglich auf ihrem geistigen Film festzuhalten.“ Auch ein praktischer Tipp macht die Runde: Man kann einige Rituale in aller Ruhe nach dem Gottesdienst nachstellen: Die meisten Pfarrer sind dazu bereit. Das hat zwei Vorteile: Es stört nicht den Gottesdienst, und die Bilder werden meistens viel besser.“

Hinweis: Auch in unserer Kirchengemeinde ist es grundsätzlich untersagt, in Gottesdiensten zu filmen und zu fotografieren. Nur bei Gottesdiensten anlässlich einer kirchlichen Trauung oder anlässlich von Hochzeitsjubiläen kann in Absprache mit dem/der zuständigen Pfarrer/in fotografiert oder gefilmt werden.

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© Evangelische Kirchengemeinde Wickrathberg