Auf ein Wort

Liebe Gemeinde,

Haben Sie es wieder erkannt? Das Gesicht auf dem Titelbild? Ich entdeckte es beim Fahrradfahren auf dem Weg von Wickrath am Voigtshof in Richtung Priorshof und dachte: Daraus kannst Du eine Andacht für die Gemeindethemen machen!
Sofort fällt es einem ins Auge – das lachende Gesicht auf einem Baumstamm. Man kann gar nicht dran vorbei, ohne es zu sehen. Bei mir bleibt es nicht ohne Wirkung. Irgendwie steckt das Lachen an. Wenn ich in Gedanken bin, auf dem Fahrrad gegen den Wind kämpfen muss oder sogar Sorgen habe, hellt mich das Gesicht innerlich auf. Ich möchte es gar nicht mehr missen. Für mich ist es ein regelrechter Muntermacher geworden und bin dankbar, dass es da ist.
Ich frage mich: Ob ein Lächeln nicht generell diese Wirkung erzielen kann? Wenn schon ein Smiley an einem Baum für eine positive Stimmung sorgt – wie ist das bei einem echten Lächeln – von Mensch zu Mensch? Müsste ein freundliches Lächeln nicht auch andere Menschen fröhlich machen und gute Laune erzeugen? Sollte es nicht ein Markenzeichen von uns Christen sein – das Lachen?
Schauen wir in die Bibel, so stellen wir fest, dass vom Lachen eigentlich nicht viel die Rede ist. Es gibt keine Stelle, die belegt, dass Jesus jemals gelacht hat. Aber dennoch gibt es Hinweise dafür. Denken wir nur an die Hochzeit zu Kana, wo Jesus mit seiner Mutter und mit seinen Jüngern eingeladen war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus die ganze Zeit über ernst gewesen ist und nicht gelacht hat. Oder als er Kinder zu sich rief, sie herzte und sie segnete (Markus  10,16), wird Jesus dies mit einem Lachen auf den Lippen getan haben, dessen bin ich mir sicher. Oft hat sich Jesus von Zöllnern und Sündern einladen lassen und hat mit ihnen zu Abend gegessen. Dabei hat er von der Freude seines Vaters gesprochen, wenn ein verlorenes Schaf, sprich ein Sünder, wieder zu Gott zurückgekehrt war. Jesus wird dabei sicher nicht die ganze Zeit ernst am Tisch gesessen haben. Ich stelle mir vielmehr Jesus vor als einen fröhlichen Menschen, der herzhaft mit anderen lachen konnte.
Was Christen später daraus gemacht haben, steht auf einem anderen Blatt Papier. Der Pfarrerssohn und spätere Philosoph Friedrich Nietzsche forderte ja von den Christen, dass sie erlöster aussehen müssten und nicht so oft ernst dreinschauen sollten. Von der Freude über die Erlösung sei bei den Christen viel zu wenig zu spüren - so sein Vorwurf. Diese kritische Anfrage Nietzsches ist in der Tat eine Anfrage an uns bis heute. Wir sollten sie ernst nehmen.
Denn eigentlich haben wir ja die schönste Botschaft der Welt: Das Evangelium, also die Frohe Botschaft! Es ist nicht die Droh-Botschaft und schon gar nicht die Schlechte-Laune-Botschaft, sondern die gute Nachricht, dass Jesus lebt und er immer bei uns ist. Er hat den Tod besiegt und gibt uns so die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Wir haben einen Sinn im Leben, weil er uns annimmt und uns liebt so wie wir sind. Das ist doch wirklich ein Grund, sich zu freuen und fröhlich zu sein! In der Tat stecken die Briefe von Paulus voller Freude. So schreibt er in Römer 14,17, dass das Reich Gottes aus Friede und Freude besteht. Ja, Paulus kann sich im Philipperbrief sogar freuen am Evangelium, obwohl er in Ketten liegt. Da hätte er ja eigentlich keinen Grund zum Lachen gehabt. Dennoch schafft er den Schritt zum sich Freuen in allem Leide, wie es in dem gleichnamigen Lied im Gesangbuch heißt. Kann uns sein Vorbild anspornen, unsere Freude noch mehr als bisher zu zeigen? Wie gesagt haben wir allen Grund zur Freude, zum Fröhlich sein und zum Lachen. „Ein Lächeln ist der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen“ heißt es in einem Sprichwort. Es kostet nichts, aber es kann viel in uns und bei anderen Menschen bewirken.
In diesem Sinne wünsche ich uns viel Freude, viele freundliche Begegnungen und wenn Sie demnächst Urlaub machen sollten, eine schöne und erholsame Zeit! Denken wir immer daran: „Freuet euch in dem Herrn alle Wege und abermals sage ich euch: Freuet euch!“ (Philipper 4,4)

Ihr Pfarrer Martin Gohlke
 

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