Auf ein Wort

Liebe Gemeinde!
 

Alle Jahre wieder gehen wir auf Weihnachten zu, auf das Fest aller Feste. ‚Wo ist das Jahr nur geblieben?’ mag mancher denken. Und schneller als gedacht, ist er wieder da, der Heilige Abend, der immer komplett anders ist als all die anderen Abende im Jahr. Denn an Heiligabend spüren wir eine große Sehnsucht, dass alles so ist, wie wir es von Kindheit an kennen: Der erleuchtete Tannenbaum, die stimmungsvolle Bescherung, das Festessen im Kreise der Lieben, der Gang in die Kirche und das gemeinschaftliche Singen. Bei den vertrauten Worten der Weihnachtsgeschichte erinnern wir uns jedes Jahr aufs Neue, wie es damals in Bethlehem für Maria und Josef war. Wir erleben ihre Reise in die Heimat, die Widernisse und den glücklichen Ausgang der Geburt. Diese biblische
Geschichte ist uns bis ins Kleinste vertraut. Und doch gibt es da einen Satz, der mich jedes Mal aufhorchen lässt
und berührt: „Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr“. Etwas Schreckliches geschieht: Die in der Dunkelheit hockenden Hirten sind auf einmal umgeben von hellem Licht! Mitten in der Einöde geschieht plötzlich etwas Unvorstellbares: Von einem Moment auf den anderen zeigt sich Weihnachten? Alles klar! die Klarheit des Herrn. Die Hirten können es nicht fassen und sind voller Furcht.
Wovor haben sie Angst? Es muss wohl ein solch helles Licht voll Glanz und Strahlkraft gewesen sein, dass aus finsterer Nacht quasi helllichter Tag wird. Die Hirten haben sicherlich sofort gespürt, dass da etwas Unglaubliches gerade vor sich geht. Vielleicht hat sie das Licht aber auch fies angeleuchtet. War es etwa eher wie ein kaltes Neonlicht, das einen bis in den kleinsten Winkel des Lebens und der Seele, wie bei einem Verhör, ausleuchtet? Oh weh! Ich stelle mir vor, wenn Gott mit aller Klarheit in mein Leben tritt, dann gibt es leider nicht nur Positives, sondern auch Dinge, für die ich mich schäme: Wo ich nicht nach Gottes Weisungen gehandelt habe, indem ich missgünstig und neidisch war, oder wo mich die Not eines anderen kalt ließ. Ob sich die Hirten in diesem Moment der Klarheit ähnlich schuldhafte Gedanken wie ich gerade gemacht haben, darüber können wir nur spekulieren. Doch zum Glück ist die Weihnachtsgeschichte mit ihnen – und Gottes Geschichte mit mir und mit jedem von uns – auch nicht an dieser Stelle zu Ende. Der Ausgang der Weihnachtsgeschichte zeigt uns: Gott will uns nicht zum Fürchten, sondern uns zum Vertrauen einladen:
„Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“
Die Furcht hat ein Ende, denn Gott ist da! Er sieht uns, wie wir wirklich sind, und nimmt uns in Liebe an. Deshalb ist Weihnachten so viel mehr als ein stimmungsvolles und heimeliges Fest mit warm brennenden Kerzen: Weihnachten ist hell, ist klar. Weihnachten ist die erleuchtete Botschaft, die bis in die dunklen Kammern unseres Herzens strahlt: Freut euch! Euch ist der Heiland geboren – mir und Dir und allen Menschen auf der Welt! Er kommt, um alles Dunkle hell zu machen und sagt all deinen Ängsten zum Trotz: Ich bin da für Dich! Vertraue mir! Du bist mein geliebtes Erdenkind!

Herzliche Grüße, Birgit Erke

 

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© Evangelische Kirchengemeinde Wickrathberg